Auf welchen Wegen gelangen Flüchtlinge nach Europa?

Es gibt nahezu keine legalen Fluchtwege nach Europa. Gründe dafür sind, dass die Länder auf der Balkanroute 2016 ihre Grenzen geschlossen haben, im März 2016 der sogenannte EU-Türkei-Deal verabschiedet wurde und die EU ihr Grenzregime verstärkt hat. Somit bleibt für die meisten Flüchtlinge nur der lange, beschwerliche und vor allem lebensgefährliche Weg über das Mittelmeer. Um die Seegrenze zu überwinden, sind viele auf organisierte Fluchthilfe und Schleuser angewiesen. Allein im Jahr 2017 starben 3.139 Menschen bei der Überfahrt über das Mittelmeer oder werden vermisst.
Werden Flüchtlinge auf der Route von Nordafrika nach Italien von der libyschen Küstenwache aufgegriffen, bringt diese sie zurück nach Libyen. Europäische Schiffe jedoch müssten Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention auf das europäische Festland bringen, da ihnen in Libyen Gewalt und Folter drohen. Dieses Prinzip der Nicht-Zurückweisung (non-refoulement) wurde allerdings immer wieder gebrochen.
Humanitäre Hilfsorganisationen wie zum Beispiel Save the Children oder Ärzte ohne Grenzen retten immer wieder Flüchtlingsboote, die in Seenot geraten sind. Darüber, wer dafür verantwortlich ist, dass Flüchtlingsboote immer wieder in Seenot geraten, wer für die Rettung zuständig ist, wer sie letztendlich durchführt und in welchem Hafen die Schiffe anlegen dürfen, gibt es eine große Debatte. (siehe zum Beispiel: www.domradio.de)
Insbesondere für Frauen und Mädchen nimmt die Gefahr zu, wenn legale Fluchtwege versperrt werden. Sie sind immer wieder physischer, psychischer und sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Diese wird nicht nur von Schleppern und anderen männlichen Geflüchteten ausgeübt, sondern auch von denjenigen, die eigentlich den Schutz gewährleisten sollen: Polizisten und UN-Soldaten nutzen nicht selten ihre Machtposition gegenüber den Geflüchteten aus. (Mehr Infos: https://heimatkunde.boell.de)