24. April 2019
Familie auseinandergerissen, Kindeswohl gefährdet: Werdender Vater aus der Ausländerbehörde Weimar abgeschoben

Flüchtlingsrat fordert sofortige Rückholung des Abgeschobenen

Am 23.4.2019 wurde Herr S. in die Ausländerbehörde Weimar bestellt, um seine Duldung zu verlängern. Statt ihm das neue Aufenthaltspapier auszureichen, wurde der werdende Vater vor den Augen seiner hochschwangeren deutschen Partnerin von der Polizei abgeführt und im Rahmen des sogenannten Dublin-Verfahrens nach Frankreich abgeschoben. Der Gesundheitszustand der Schwangeren verschlechterte sich unmittelbar und noch in der Ausländerbehörde wurde der Notarzt gerufen. Die Frau befindet sich derzeit in stationärer Behandlung.

Vom Jugendamt Erfurt wurde mit Schreiben vom 5.3.2019 dem Paar eine mögliche „missbräuchliche Vaterschaftsanerkennung“ unterstellt und die vorgeburtliche Vaterschaftsanerkennung ausgesetzt. Am 8.4.2019 teilte die Ausländerbehörde Weimar mit, dass Herrn S. die Möglichkeit gegeben wird „seine Belange bis 4 Wochen nach der Geburt des Kindes in der Ausländerbehörde zu klären“ und mittels DNA-Test seine Vaterschaft zu belegen, wozu das Paar auch bereit war. Dem werdenden Vater hätte bis zur Klärung der Vaterschaft nach geltendem Recht seine Duldung verlängert werden müssen. Tatsächlich bereitete die Ausländerbehörde im Hintergrund seine Abschiebung vor.

„Hier wurde bewusst die Gesundheitsgefährdung der werdenden Mutter und des Kindes in Kauf genommen, um die Abschiebung in aller Härte durchzuführen“, so Ellen Könneker vom Flüchtlingsrat Thüringen e.V. Einerseits wurde der werdenden Familie eine Sicherheit vorgegaukelt, um den werdenden Vater dann unverhofft abzuschieben. Anderseits wurde das Wohl und die Gesundheit der werdenden Mutter und des ungeborenen Kindes durch den vorgeburtlichen Stress erheblich gefährdet und eine werdende Familie kurz vor der Geburt auseinandergerissen. „Wir sind entsetzt über das Vorgehen der Ausländerbehörde Weimar. Wir fordern die sofortige Rückholung des werdenden Vaters aus Frankreich und die unverzügliche Einstellung einer derartig schikanösen Verwaltungspraxis bei der Weimarer Ausländerbehörde“ so Könneker weiter.