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28. November 2019
Aufnahme von notleidenden minderjährigen Geflüchteten aus Griechenland. Flüchtlingsrat Thüringen und weitere NGOs fordern Seehofer dringend zum Handeln auf!

Bundesinnenminister Seehofer hat den Vorstoß vom Niedersächsischen Ministerpräsidenten Boris Pistorius, unbegleitete minderjährige Geflüchtete (umF) aus griechischen „Hotspots“ in Deutschland aufzunehmen,  zurückgewiesen. Das ist aus Sicht des Flüchtlingsrat Thüringen empörend.

„Das Angebot des Bundesinnenministers, lediglich 144 Kindern einen Nachzug zu ihren Familien zu ermöglichen, ist ein humanitäres Armutszeugnis. Damit würden 95 Prozent der extrem notleidenden Minderjährigen in ihrem Elend allein gelassen werden“, so Antje-C. Büchner vom Flüchtlingsrat Thüringen.

Derzeit befinden sich circa 4.100 minderjährige Flüchtlinge ohne Eltern auf den griechischen Inseln.  Davon leben nur ca. 1000 in kinder- und jugendgerechten Unterbringungsplätzen. Über 3.000 Kinder und Jugendliche leben unter katastrophalen Bedingungen auf der Straße unter Planen oder in Zelten in den Flüchtlingslagern der griechischen Hotspots. Hier sind sie ungeschützt vor Gewalt und Ausbeutung, leiden an mangelhafter Versorgung und erhalten kaum anderweitige pädagogische oder rechtliche Unterstützung. Die Flüchtlingshilfsorganisation der Vereinten Nationen UNHCR spricht von einer „dramatischen Situation“.

Unbegleitete Minderjährige, die es geschafft haben, den menschenunwürdigen Lebensbedingungen Griechenlands zu entfliehen, berichten von ihrem Überleben. „Sie haben schockierende Fotos von sich in den Lagern; es strotzt vor Dreck, mangelt an Allem, die Kleidung ist zerlumpt. Die Gesichter sind ausgezehrt. Die Jugendlichen berichten von massiver Gewalt, auch durch Sicherheitskräfte und Polizei. Es wird von versuchten Vergewaltigungen, von Hunger, von Kakerlaken im Essen berichtet. Es kommt zu Suizidversuchen. Sie erzählen  von brennenden Zelten, von Angst und Hoffnungslosigkeit. Und von der schmerzenden Kälte und Nässe in den Notbehausungen, wenn der Winter naht.“, so Büchner.

Die Beschleunigung der bereits laufenden Verfahren von 50 Minderjährigen ist wichtig und dringend notwendig für die betroffenen Kinder und Jugendlichen, doch angesichts der ausufernden kindesrechtsverletzenden Dimensionen in Griechenland und des nahenden Winter ist diese Zahl lächerlich und ein Affront - zumal es sich überwiegend um Verfahren handelt, die bereits über Monate verschleppt wurden und bei denen die Minderjährigen schon längst einen Rechtsanspruch auf Familienzusammenführung haben.

Es scheint grotesk, dass in Deutschland Einrichtungen trotz vorhandener Kapazitäten und Fachpersonal schließen müssen, weil kaum noch unbegleitete Minderjährige bis nach Deutschland kommen - während über 3.000 Kinder und Jugendliche in Griechenland unter absoluter Missachtung des Kindeswohls unter schlimmsten Umständen ausharren müssen.

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