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25. Januar 2018
Yamen J. berichtet über seine Abschiebung nach Italien

Ich erinnerte mich in jenem Moment an die Szenen, wenn Baschar Al-Assads Soldaten in Wohnungen in Syrien einbrachen, Männer in der Nacht verhafteten und herauszogen zu den Autos um sie zu exekutieren!

Kurz vor Weihnachten erreichte uns der erschütternde Bericht eines jungen Syrers aus Italien. Yamen J. berichtete über seine Abschiebung im Rahmen der Dublin III Verordnung nach Italien. Bis vor kurzem lebte Yamen in Thüringen und war engagierter Gasthörer an der dortigen Universität. Nachdem er dem Krieg im Heimatland entkam und die Flucht nach Deutschland überstanden hatte, versucht der junge Mann anzukommen und sich ein neues Leben aufzubauen. Dabei wurden seine Träume und Ziele von den unmenschlichen Regeln des europäischen Asylsystems zunichte gemacht. Seine Unterstützer*innen im Gasthörer*innenprogramm der Universität in Jena schilderten uns, wie Yamen nachts aus einer Sammelunterkunft im Schlafanzug von der Polizei abgeholt wurde. Wichtige Unterlagen und private Sachen musste er dabei zurücklassen. Nun steht Yamen J. erneut vor dem Nichts und leidet an den Folgen der Abschiebung.

Die Schilderungen von Yamen J. wurden ins Deutsche übersetzt. Der Text wurde gekürzt und Ortsangaben wurden entfernt. Die englische Originalfassung liegt uns vor:

Liebe Frau M.,

Es tut mir leid, dass ich Ihnen sehr spät schreibe. Ich versuche immer noch, mich zu sammeln nach dem, was mir nachts am 22.11.2017 passiert ist. Es war ein schrecklicher Tag. Ich kann immer noch nicht gut schlafen oder vergessen, was ich an jenem Tag erlitten habe. Zu später Stunde in der Nacht öffnete die Polizei die Tür meines Zimmers in G. Ich kam wie jeden Monat zuvor hierher, aber ich erwartete nicht, dass das eine Falle für mich war. Dann sagte Frau L. (aus B. -Ausländerbehörde), die mit der Polizei kam, dass ich jetzt nach Italien reisen sollte. Ich war völlig geschockt und erzählte ihnen, dass all meine wichtigen Dinge in Jena [seien], ohne Antworten oder Interesse von der Polizei [zu bekommen]. Ich nahm, was ich in G. hatte, dann durchsuchten sie all meine Sachen und forderten mich auf, mich nackt auszuziehen, um mich gründlich zu durchsuchen!!!!!
Sie setzten mich in einen Polizeiwagen und drohten mir, falls ich nicht ruhig sein würde, würden sie mir Handschellen anlegen. Ich erinnerte mich in jenem Moment an die Szenen, wenn Baschar Al-Assads Soldaten in Wohnungen in Syrien einbrachen, Männer in der Nacht verhafteten und herauszogen zu den Autos um sie zu exekutieren!!!
Ich bin so sehr deprimiert, schockiert, verwirrt und verletzt in meiner Würde, darüber dass:
Meine ganzen Ergebnisse im Leben könnten verloren sein und hätten keinen Wert, denn alle meine Lizenzen
(Zeugnisse) und Dokumente waren in Jena und ich hatte Glück, dass U. und Frau B. mir geholfen haben, sie zurückzubekommen. Die unmenschliche, gewalttätige und erschreckende Art der Abschiebung ohne vorherige Warnung oder genaues Datum. Sie konnten mir einfach sagen, ich solle gehen, und ich hätte es selbst getan, und ich hätte meine Privatsphäre, wichtige Dokumente und meine Würde bewahren können und hätte diese traurige Erinnerung nicht für mein ganzes (restliches)Leben erhalten müssen. […]

Ich bitte Sie, mir zu helfen, indem Sie jemanden vorschlagen, dem ich eine E-Mail oder Post schicken kann, und um zu erzählen, was mir passiert ist. Ich fühle mich völlig (zutiefst) beleidigt, traurig und meine Würde wurde stark verletzt, obwohl ich andere immer sehr höflich behandle und vorsichtig mit ihren Gefühlen bin.

Beste Grüße
Yamen J.