3. März 2026
Offene Briefe: Thüringer & Erfurter Zivilgesellschaft sagen 'Nein zur Bezahlkarte'!

In den meisten Landkreisen Thüringens bekommen geflüchtete Menschen ab 18 Jahren nun schon seit zwei Jahren ihre Asylbewerberleistungen nicht mehr in bar, sondern auf eine sogenannte Bezahlkarte ausgezahlt. Die Einführung wurde mit Bürokratieabbau und Verhinderung von Auslandsüberweisungen begründet. In der Praxis aber führt die Karte zu erheblichen Einschränkungen im Alltag der Betroffenen: Pro Monat können lediglich 50 Euro Bargeld abgehoben werden, Online-Einkäufe, Überweisungen und Lastschriften sind ausgeschlossen und Ausnahmen nur nach vorheriger Antragstellung möglich. Auch Zahlungen, die sonst unbar empfangen würden, können nicht über die Karte laufen.

Im Sommer 2025 haben das Thüringer Migrationsministerium und die kommunalen Spitzenverbände den Vertrag für eine landesweite Bezahlkarte unterzeichnet. Laut MDR Thüringen haben inzwischen 17 Landkreise ihre Teilnahme zugesagt. Die Umstellung ist mit hohen Kosten und erneutem Verwaltungsaufwand verbunden, während gleichzeitig die Einschränkungen für die Betroffenen fortbestehen.

Gemeinsam mit weiteren zivilgesellschaftlichen Akteur:innen fordert der Flüchtlingsrat Thüringen e.V. die Landesregierung daher auf, diese teure, diskriminierende Karte abzuschaffen. Darüber hinaus appellieren wir an die Stadt Erfurt, die Entscheidung zur Einführung der Bezahlkarte – die ohne Einbindung von Stadtrat oder Zivilgesellschaft getroffen wurde – zurückzunehmen.

Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen und die breite gesellschaftliche Unterstützung sichtbar zu machen, laden wir euch ein, unsere offenen Briefe an die Stadt Erfurt und/oder an die Thüringer Landesregierung mitzuzeichnen.
Mitzeichnungen sind noch bis 9. März, 18.00 Uhr möglich. Eine kurze Mail an presse@fluechtlingsrat-thr.de genügt – ein Logo ist nicht erforderlich.


Übergabe des Thüringer Briefs am 25. März, 13.00 Uhr vor dem Haupteingang des Thüringer Landtags
Übergabe des Erfurter Briefs am 18. März, 15.30 Uhr vor dem Erfurter Rathaus, Fischmarkt

Beide Übergaben finden im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus 2026 (IWgR26), die in diesem Jahr vom 16. bis 29. März 2026 stattfinden. Dadurch erhalten die Übergaben eine betonte Dringlichkeit und Sichtbarkeit im gemeinsamen Engagement gegen die diskriminierende Bezahlkarte. Zugleich setzen wir damit ein deutliches öffentliches Zeichen für Solidarität und Gleichberechtigung.


Wir treffen uns weiterhin im Bündnis „Nein zur Bezahlkarte!“ und planen weitere Aktionen gegen die Bezahlkarte. Wir freuen uns nach wie vor über aktive Unterstützung und über euch als Mitstreiter:innen. Ort & Termin des nächsten Treffens könnt ihr gerne per Mail anfragen.

Mit solidarischen Grüßen
Seebrücke Erfurt & Flüchtlingsrat Thüringen e.V.
im Namen des Netzwerks „Nein zur Bezahlkarte!“