Wie ist der Zugang zu Kindergärten und Schulen geregelt?

Alle Kinder haben ab dem ersten Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung. Dies gilt bundesweit unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Aufenthaltsstatus. Da aber in einigen Regionen nur sehr begrenzt freie Plätze vorhanden sind, ist es vor allem für Menschen, die sich nicht mit den Zugängen und Formalitäten auskennen, schwierig, einen Betreuungsplatz zu bekommen. Manchmal werden Flüchtlinge auch nicht über ihren Rechtsanspruch informiert. Um diesen wahrnehmen zu können, sind sie oft auf Hilfe angewiesen.

2005 wurde in Thüringen erreicht, dass Flüchtlingskinder nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland der Schulpflicht unterliegen. Nach den Erlebnissen im Herkunftsland und der Flucht stehen Flüchtlingskinder vor vielen Herausforderungen: eine neue Umgebung, eine fremde Sprache, viele neue Regeln. Zudem haben einige von ihnen aufgrund der Flucht lange Zeit keine Schule besuchen können. Zu Beginn des Schulbesuchs sind die Sprachkenntnisse oft nicht ausreichend, um am Unterricht erfolgreich teilnehmen zu können. Es gibt fachliche Empfehlungen zum Schulbesuch in Thüringen, die unter anderem Förderunterricht in deutscher Sprache vorsehen. Vielerorts wurden Deutschlernklassen an den Schulen eingeführt.

Für jugendliche Geflüchtete existieren viele Hürden, wenn sie in das Regelschulsystem einsteigen wollen. Zum Beispiel wird eine Altersbegrenzung beim Zugang zu den Berufsschulen angewandt. Vorhandene Qualifikationen, wie zum Beispiel die Sprachenvielfalt werden häufig nicht anerkannt. Zurzeit besteht für Flüchtlinge, die älter als 16 Jahre sind, häufig nur die Möglichkeit eines BVJ-S ("Berufsvorbereitendes Jahr Sprache") an den Berufsschulen, welches einen besonders hohen Anteil an Deutschunterricht beinhaltet. Danach kann im  BVJ („Berufsvorbereitungsjahr“) der Hauptschulabschluss absolviert werden. Im Thüringer Landesprogramm „Start Bildung“ können Asylsuchende auf die Fächer Sozialkunde und Mathematik vorbereitet werden, falls die Unterrichtsinhalte des Schulbesuchs im Herkunftsland nicht die Voraussetzungen für das Berufsschulsystem erfüllen (siehe: Elterninformationen zum Schulsystem in verschiedenen Sprachen des Thüringer Bildungsministeriums). Für 2020 steht eine Änderung des Thüringer Schulgesetzes bevor. Die geplante Ausweitung der Vollzeitschulpflicht bis zum 18. Lebensjahr würde Geflüchtete den Zugang in das Regelschulsystem erleichtern.

Flüchtlingsunterstützergruppen fordern, dass für Geflüchtete das gleiche Recht auf Bildung gelten muss wie für alle anderen. Sie sollten innerhalb des Regelsystems nach ihren Fähigkeiten und Bedarfen gefördert werden ohne Umwege über verschiedene langandauernde Maßnahmen nehmen zu müssen. Bestehende Hürden bei der Gewährung von Berufsausbildungsförderung und Sozialleistungen zur Existenzabsicherung während der Bildungsmaßnahmen müssen abgeschafft werden. Das bedeutet auch die Berücksichtigung von besonderen Bedarfen, beispielsweise beim Nachholen von Schulabschlüssen, bei der Anerkennung vorhandener Kompetenzen und Qualifikationen oder dem Umgang mit fluchtbedingten Brüchen in den Bildungsbiografien.